Mit über 1,29 Millionen verifizierten Unterschriften überschritt die Europäische Bürgerinitiative die notwendige Hürde deutlich und zwang die EU-Kommission dazu, sich offiziell mit dem Thema zu beschäftigen. Viele Spieler hofften daher auf neue gesetzliche Regelungen zum Schutz digital gekaufter Spiele. Doch genau diese Hoffnung erhielt nun einen herben Dämpfer.
Keine gesetzliche Verpflichtung geplant
Die Europäische Kommission hat erklärt, dass sie derzeit keine gesetzliche Verpflichtung für Publisher einführen will, Spiele nach dem Ende ihrer kommerziellen Lebensdauer weiterhin spielbar zu halten. Nach Ansicht der Kommission wäre eine solche Vorgabe nicht verhältnismäßig. Als Gründe werden unter anderem Urheberrechte, mögliche Sicherheitsrisiken, technische Herausforderungen sowie zusätzliche Kosten für Entwickler und Publisher genannt.Statt neuer Gesetze möchte Brüssel bis Ende 2026 Gespräche mit der Spielebranche und Verbraucherschützern führen. Ziel ist ein freiwilliger Verhaltenskodex für den Umgang mit dem Lebensende von Videospielen.
Warum viele Spieler enttäuscht sind
Für viele Unterstützer geht die Entscheidung am eigentlichen Problem vorbei. Die Initiative verlangte nämlich nie, dass Publisher Server für alle Ewigkeit betreiben müssen. Stattdessen sollte verhindert werden, dass gekaufte Spiele durch eine Abschaltung vollständig verloren gehen. Möglichkeiten wie Offline-Modi, Community-Server oder Peer-to-Peer-Lösungen wurden von den Initiatoren immer wieder als mögliche Alternativen genannt.Kritiker werfen der Kommission deshalb vor, sich vor einer klaren Entscheidung zu drücken. Auch mehrere Europaabgeordnete hatten sich in den vergangenen Monaten öffentlich für stärkere Verbraucherrechte ausgesprochen und vor einem negativen Signal gegenüber den über eine Million Unterstützern gewarnt.
Das ist noch nicht das Ende
Trotz der Ablehnung sieht sich die Initiative keineswegs am Ende. Die Organisatoren hatten bereits mit einem solchen Ausgang gerechnet und wollen ihre Forderungen nun direkt über das Europäische Parlament weiterverfolgen. Ziel ist es, entsprechende Regelungen in zukünftige Verbraucherschutzgesetze wie den geplanten Digital Fairness Act einzubringen.Auch im Europäischen Parlament erhielt die Bewegung zuletzt überraschend viel Unterstützung. Mehrere Abgeordnete stellten die Frage, was der Kauf eines digitalen Spiels überhaupt noch wert ist, wenn ein Publisher Jahre später allein entscheiden kann, ob das Produkt weiterhin existiert.
Ein wichtiges Signal für die Zukunft digitaler Käufe
Auch wenn die aktuelle Entscheidung für viele Gamer enttäuschend ist, hat „Stop Killing Games“ bereits jetzt etwas erreicht, die Diskussion über digitale Besitzrechte ist endgültig in der europäischen Politik angekommen. Die Frage, ob Verbraucher ein gekauftes Spiel wirklich besitzen oder lediglich eine zeitlich begrenzte Nutzungslizenz erwerben, wird die Branche vermutlich noch viele Jahre beschäftigen.Ob daraus am Ende tatsächlich neue Gesetze entstehen, bleibt offen. Klar ist jedoch, nach über 1,3 Millionen Unterstützern und einer europaweiten Debatte wird das Thema nicht mehr so einfach verschwinden.