Das erste Hyrule Warriors hat sehr viel Spaß gemacht und wird aufgrund der Charakterauswahl von vielen Spielern immer noch als das beste Hyrule Warriors betrachtet. Mit Age of Calamity (AoC) haben wir eine alternative Geschichte von Breath of the Wild (BotW) erhalten. Mit Age of Imprisonment erhalten wir jetzt eine Art Prequel zu Tears of the Kingdom (TotK). Wer TotK gespielt hat, wird wissen, dass Zelda mit der Macht eines Secret Stones in die Vergangenheit katapultiert wird und dort mit Rauru und Sonia das erste Herrscherpaar von Hyrule kennenlernt. Genau hier setzt AoI an.
Wer Musou-Spiele kennt, wird wissen, dass man die Spiele hauptsächlich wegen dem Gameplay und dem Spaß daran spielt, nicht nur hunderte, sondern tausende Gegner in Hack and Slash Manier niederzuschnetzeln. Dieser „dumb fun“ ist der überwältigende Hauptgrund, warum man Musou-Spiele spielt und das, wofür die Reihe bekannt ist. Aus diesem Grund möchte ich hier vielmehr Pro und Contra anstatt die einzelnen Spielbestandteile beleuchten. Im Einzelnen:
1. Pro
AoC hat das typische Musou-Gameplay bereits sehr gut mit den Elementen des BotW-Kampfsystems kombiniert. Mit AoI setzt Koei Tecmo diese Arbeit nur konsequent fort. Das Kampfsystem macht wirklich Spaß. Nicht nur sind die Movesets der Hauptcharaktere sehr gut gestaltet, auch bietet das Kampfsystem genug Tiefe. So gibt es u.a. diverse Konter-Moves, die jeweils bestimmte Gegner-Attacken kontern und für ein großzügiges Zeitfenster sorgen, in dem man die Haltung des Gegners brechen kann, ein Haltungsmeter, das, wenn es zerstört ist, dafür sorgt, dass man entweder einen sehr starken Move oder aber einen Finisher ausführen kann, es gibt die diversen Zonai-Devices, die man nutzen kann, es gibt elementare Angriffe und Schwächen und es gibt mächtige Synchro-Attacken, die man mit anderen Charakteren ausführen kann. Dazu ermöglicht das Spiel durch Dodgen auch – in sinnvoller Art und Weise – eine gute Möglichkeit zum Animation Cancel, was für einen guten Spielfluss führt.
Das Spiel selbst findet hierbei auf einer Weltkarte statt, in der man zum einen die einzelnen Level auswählen kann – das Spiel ist glücklicherweise kein Open-World-Titel. Zum anderen kann man von der Weltkarte auch diverse Tasks auswählen, bei denen man Materialien, die man im Laufe des Spiels sammelt, spenden kann und dafür diverse Boni wie bspw. neue Moves für seine Charaktere bekommt. Daneben kann man auch diverse Shops betreten, in denen man Materialien kaufen kann, eine Schmiede (in der man seine Waffen aufwerten kann) und Trainingslager. Über die sich entwickelnde Weltkarte erlebt man dann auch den Krieg gegen Ganondorf und wählt – wie bereits erwähnt – die einzelnen Level aus. Neben den Story-Missionen, den Haupt-Leveln, gibt es hierbei auch diverse kleinere Neben-Level, die zum Farmen von Materialien u.a. dienen. Was mir auch gefallen hat, ist der Umstand, dass die Gegner Teile der Karten, die man zuvor erobert hat, zurückerobern können.
Man könnte vielleicht denken, dass ein Zelda ohne Link schwierig ist. Hier muss man sich allerdings keine Sorgen machen. Mit Zelda gelangt nämlich auch ein Fragment des Meisterschwerts in die Vergangenheit und dient als Energiequelle für ein Zonai Construct, das seinerseits als Link-Ersatz dient, eines der besten Movesets im Spiel hat und – und hier möchte ich nicht näher spoilern – für die m.E. mitunter besten Gameplay-Sequenzen sorgt, die ihrerseits leider zu rar gesät sind.
2. Contra
Leider hat das Spiel neben dem sehr guten Gameplay aber auch Schwächen:
Da AoI nach BotW, AoC und TotK nunmehr das 4. Spiel im selben Universum ist, bin zumindest ich dem Universum und dem Artstyle müde geworden. Es wird endlich Zeit, dass sich Zelda von dem BotW/TotK-Universum verabschiedet und einen anderen Artstyle nutzt. Zumindest ich persönlich würde mir wieder ein Zelda, das wieder mehr in Richtung OoT, MM oder TP geht, wünschen.
Da das Spiel quasi ein Prequel zu TotK ist, weiß man leider auch schon, wie die Geschichte des Spiels ausgeht, wenn man TotK gespielt hat. Dazu kommt, dass mir das Spiel auch hätte mehr Zeit auf seine Story verwenden können. Die Hauptstory seinerseits wird m.E. nämlich von der Masse an Nebencontent erschlagen, der wohl implementiert worden ist, um den Grind für Materialen und EP für Level Ups zu unterstützen. Der Nebencontent besteht hierbei aus diversen kleineren Schlachten, die Teile der Karten der Hauptmissionen nutzen und dadurch schnell repetitiv werden können. Das kann gerade im Post-Game-Content ätzend werden, weil dieser sehr, sehr grindy wird.
Das Spiel bietet – da die Gegnervielfalt leider bereits durch TotK vorgegeben wird – auch wenig Gegnervielfalt. Anders als in den üblichen Musou-Spielen bestehen die Gegner hier hauptsächlich aus Monstern, mit denen man selbst keine Beziehungen eingeht. Es gibt zwar einige „Archfiend“-Monster, die ihrerseits ein Bewusstsein haben und sprechen können. Allerdings sind die antagonistischen Beziehungen zu diesen Archfiends sehr oberflächlich, so dass der Hauptkonflikt fast ausschließlich zwischen Ganondorf und den Hauptcharakteren besteht. Die Bossgegner ihrerseits können mitunter auch sehr tanky sein, was mitunter sehr zäh wirken kann.
Schließlich könnte auch das Character Roster besser gestaltet sein. Die Hauptcharaktere sind zwar alle gut gestaltet, die Nebencharaktere kommen aber allesamt zu kurz und wirken fast schon überflüssig. Man hätte also mindestens 10 der 23 Charaktere aus dem Spiel streichen können, ohne dass sich das negativ ausgewirkt hätte. Schade ist auch, dass man nach Abschluss des Spiels keine weiteren Charaktere freischaltet. Ich hätte mir zumindest gewünscht, dass man nach Abschluss der Story Ganondorf und Sonia freischaltet. Das haben die anderen Hyrule Warriors Spiele besser gelöst.
3. Fazit
AoI ist ein sehr gutes Spiel und aufgrund des erstklassigen Kampfsystems durchaus eine Empfehlung für Gameplay-Liebhaber wert. Gerade für Zelda-Fans ist das Spiel sowieso ein Pflicht-Kauf. Das Spiel hat aber leider auch diverse spürbare Schwächen, die ihrerseits nicht vollständig durch das sehr gute Gameplay ausgeglichen werden. Von mir bekommt AoI daher „nur“ eine 8/10.