Ace Combat 8: Wings of Theve

Doch was ist Ace Combat? Ace Combat ist ein Combat Flight Simulation Game – wobei „Simulation“ nur grob gemeint ist!

18 15🔥 Heiß diskutiert I

Vor Kurzem ist Ace Combat 8: Wings of Theve erschienen – der achte Hauptteil einer der langlebigsten Konsolen-Spielreihen, die 1995 als Air Combat auf der ersten PlayStation ihren Anfang nahm. Doch was ist Ace Combat? Ace Combat ist ein Combat Flight Simulation Game – wobei „Simulation“ nur grob gemeint ist, denn das Spiel erlaubt Manöver, bei denen selbst Top Gun neidisch werden könnte. Beispiele gefällig? Spektakuläre 360°-Manöver (sog. Kulbit)? Check. Spektakuläre Post-Stall-Manöver („PSM“)? Check. Rückwärts durch einen Autobahntunnel fliegen? Check! In Combat und chained sieht das alles noch beeindruckender aus. Wer braucht schon Physik? Wie passend, dass die Spielwelt in Ace Combat Strangereal heißt. Das actiongeladene Gameplay verbindet sich dabei mit Anime-artigen Militär- und Kriegs(melo)dramen, die bisweilen erfreulich an Metal Gear erinnern und in denen man sich im Laufe der Story zum „Ace“, zum „Pilot Jesus“ entwickelt. Mein letzter Kontakt mit der Reihe war auf der PS2, da der Entwickler 2007 mit Ace Combat 6 leider von der PlayStation- zur Xbox-Exklusivität wechselte. Umso mehr habe ich mich auf den neuesten Teil gefreut. Bislang habe ich ausschließlich die Kampagne gespielt; Ace Combat Online habe ich noch nicht ausprobiert.

I. Story

In Ace Combat 8 kämpfen wir aufseiten der Federation of Central Usea (FCU), die sich einem Eroberungskrieg der Republic of Sotoa gegenübersieht. Die FCU ist erst vor Kurzem aus einem Krieg zwischen useanischen Staaten hervorgegangen und leidet unter dessen Nachwehen sowie wirtschaftlichen Problemen – im übertragenen Sinn erinnert das an Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Sotoa, eine Nation nomadischer Stämme jenseits des östlich gelegenen Meeres, setzte auf massive Industrialisierung, um seine militärische Macht auszubauen. Die Folgen waren verheerend: Das einst fruchtbare Land wurde weitgehend zur Wüste, sodass nur noch die Expansion durch Krieg als Ausweg blieb.

Die Handlung setzt nach der Eroberung von Theve, der Hauptstadt der FCU, ein. Als stummer Protagonist werden wir von einem Rettungsboot aus dem Meer geborgen und an Bord des Flugzeugträgers Endurance gebracht. Aufgrund akuten Personalmangels wird praktisch jeder verpflichtet und wir selbst werden Waffensystemoffizier – der zweite Mann im Cockpit – von Jan „Rex“ Cope. Nach der Evakuierung von Theve wird Cope als „Wings of Theve“ verehrt. Seine tatsächlichen Leistungen werden durch Informationskriegführung, Desinformation und soziale Medien jedoch maßlos überhöht, um ihn zum Kriegshelden zu stilisieren, obwohl seine Einheit vor allem auf Rückzug und die Vermeidung weiterer Kämpfe bedacht ist. Gleich im ersten Einsatz werden Cope und wir von „Shadow 22“, einem Ace Pilot der sotoanischen Eliteeinheiten Lux Lunae, abgeschossen. Wir stürzen ins Meer: Cope stirbt, wir selbst überleben jedoch und können noch seine Dog Tags ergreifen. Da die FCU-Führung den Verlust ihres gefeierten Kriegshelden aus moralischen Gründen nicht akzeptieren kann, übernehmen wir sein Callsign und werden zum neuen „Rex“. Besonders cool hierbei: Copes kriegsmüder Geist begleitet uns fortan und kommentiert das Geschehen.

Als neuer Rex ziehen wir in den Verteidigungskrieg gegen Sotoa – an der Seite unserer Wingmen Baxter („Professor“), eines ehemaligen Universitätsprofessors, Coster („Noise“), eines Rockmusikers, sowie der Stuntpilotin Severskaya („Tasha“). Letztere dürfte vielen bereits aus dem Promo-Material bekannt sein: die junge Dame mit den pinken Haaren. Die FCU steht unter Zeitdruck. Es droht, dass die Großmächte Yuktobania und Osea aus Eigeninteresse in den Konflikt eingreifen und ihn weiter eskalieren lassen – grob gesagt handelt es sich hierbei um die Pendants zu den Staaten des Warschauer Pakts einerseits und den USA andererseits. Als „Singularity“, also als Pilot, der den Verlauf ganzer Kriege verändern kann, sind wir dieser Aufgabe allerdings gewachsen. Das zeigt sich bereits in Mission drei, in der man von einer Einheit der Lux Lunae angegriffen und von Tasha „Is it time to run, Ray?“ gefragt wird. Unsere Antwort – „No“ – verwundert nicht nur unsere Wingmen, sie markiert auch den Wendepunkt des Krieges.

Die Geschichte entfaltet sich in Cutscenes, Pre-Mission-Briefings und während der Einsätze. Gemeinsame Erlebnisse stärken die Bindung zu den eigenen Kameraden. Über den Funk wird zugleich die Brutalität und der Terror des Krieges spürbar, besonders wenn Verbündete in akute Gefahr geraten und dem Tod ins Auge blicken. Dasselbe gilt für die Gegner, die ebenfalls über Funk präsent sind. Die intensiven Dogfights lassen gegenseitige Anerkennung und Respekt entstehen – bisweilen ist es beinahe schade, einen gegnerischen Elitepiloten zu besiegen.

Mich haben sowohl die Story, die Charaktere als auch die Themen überzeugt: Hoffnung, Kameradschaft und Heldentum stehen neben Informationskriegführung, Desinformation und dem Einfluss von Unternehmensinteressen auf Kriege. Ein Schwachpunkt sind gelegentlich die recht langen, wenn nicht mitunter zu langen Missionsbriefings. Zwar lassen sie sich überspringen, enthalten aber wichtige Informationen zu den Missionszielen.

II. Gameplay

Wie bereits erwähnt, ist Ace Combat eine Combat Flight Simulation, die jedoch realistisches Flugverhalten zugunsten des Tempos und der Action opfert. Das sorgt dafür, dass das Spiel eine sehr hohe Skill Ceiling hat und motiviert dazu, die eigenen Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Dazu passt der arcadeartige Aufbau des Spiels: Die Kampagne umfasst 30 Missionen, für die man abhängig von der erzielten Punktzahl Ränge erhält. Das Erfüllen versteckter objectives kann zudem zusätzliche versteckte Aces als Gegner freischalten. Die verdienten Punkte investiert man in neue Flugzeuge und Upgrades – gute Leistungen beschleunigen also den Progress. Die Missionen reichen von klassischen Luftkämpfen und Dogfights über Eskort- und Luftunterstützungsmissionen bis hin zu Präzisionsflügen und Gefechten gegen High-Tech-Superwaffen (etwa massive Landkriegsschiffe) – und Kombinationen daraus.

Das Gameplay ist für mich eine der großen Stärken des Spiels. Besonders intensiv wird es, wenn Missile Warnings pausenlos auf einen einhageln und gegnerische Jets Jagd auf einen machen. Dann bleibt kaum Zeit, den Blick vom Kampfgeschehen abzuwenden. Am meisten Spaß machen die Luftkämpfe, insbesondere die Dogfights gegen gegnerische Eliteeinheiten – von diesen hätte es gern mehr geben dürfen. Einige Siegbedingungen sind allerdings sehr knapp bemessen und können unnötig streng wirken. Auch die Abfolge der letzten beiden Missionen wirkt etwas ungewöhnlich: Mission 29 war für mich spielerisch, erzählerisch und emotional der Höhepunkt. Mission 30 fühlte sich eher wie ein gelungenes Extra als wie ein echtes Finale an.

Die Briefings und den Funkverkehr sollte man aufmerksam verfolgen, denn Questmarker und andere Formen des Händchenhaltens gibt es nicht. Das halte ich für einen Vorteil: Das Spiel verlangt Aufmerksamkeit und gewinnt dadurch an Immersion. Normalerweise lasse ich beim Spielen gern Inhalte auf einem zweiten Monitor laufen, etwa YouTube oder Twitch. Bei Ace Combat 8 musste ich mich dagegen gerade in den chaotischen Gefechten voll auf das Spiel konzentrieren. Das ist für mich ein großer Pluspunkt.

III. Sound Design und Soundtrack

Das Sound Design ist erstklassig: Raketenexplosionen, das Aufheulen der Triebwerke, der Einschlag von Regentropfen auf dem Cockpit und das Brechen und Schneiden des Windes klingen überzeugend und tragen viel zur Immersion bei. Noch stärker ist allerdings der Soundtrack. Die Reihe ist seit jeher für ihre großartige Musik bekannt, die sich mühelos mit den Größen des Mediums wie etwa Koji Kondo (The Legend of Zelda) oder Nobuo Uematsu (Final Fantasy) messen kann. Der Soundtrack von Ace Combat 8 verbindet Rock, Metal und klassische Musik. Seine großen Höhepunkte erinnern mitunter an Two Steps From Hell oder Thomas Bergersen. Meine Lieblingsstücke sind hierbei…

Everflow

…und…

Hortus Regis Alti

…die ich nur empfehlen kann. Wie bei jedem herausragenden Soundtrack entwickeln sich manche Stücke zu echten Ohrwürmern, die ich immer wieder hören könnte. Gerade die beiden vorgenannten Titel höre ich derzeit mehrmals täglich. Sie vermitteln Erhabenheit und Freiheit und fügen sich hervorragend ins Spiel ein. Besonders gelungen ist die dynamische Einbindung: Die Bestandteile der Songs fügen sich passend ins Geschehen ein. Ein Chorus wird bspw. nicht in einer ruhigen Leerlaufphase platziert. Das können sich andere Titel gern zum Vorbild nehmen. Ebenfalls stark ist das sich wandelnde Thema der Shadows, der gegnerischen Eliteeinheiten. Es wird an die jeweilige Einheit und den jeweiligen Punkt in der Geschichte angepasst und wird stets durch den Kriegsgesang der Gegner eingeleitet, der auch schon im Promo-Material zu hören ist.

IV. Technik

Das Spiel basiert auf der UE 5 und kann daher einige der für UE5 typischen Probleme mit sich bringen. Auf meinem System mit Ryzen 7 5800X3D und RTX 4080 lief es jedoch weitgehend flüssig: Bei 2160p und DLSS im Balanced-Modus und FG-Auto erreichte ich bis zu 120 FPS. Eine Option zur Auswahl des Ausgabedisplays fehlt leider – gerade bei Multi-Monitor-Setups ist eine solche Option außerordentlich nützlich. Immerhin lässt sich das Problem anders als in manch anderem Spiel unkompliziert mit Alt+Enter lösen, ohne dass sich die Grafikeinstellungen ändern. Optisch ist das Spiel beeindruckend. Ich kann mich – so absurd das klingen mag – kaum erinnern, je schönere Wolken gesehen zu haben; besonders die Szenen oberhalb der Wolkendecke bei Sonnenauf- und -untergang sind atemberaubend. Auch das Schadensmodell überzeugt: Trümmer beschädigter oder zerstörter Flugzeuge können andere Maschinen und sogar das eigene Flugzeug treffen.

V. Fazit

Nachdem mich die Open-World-Abschnitte von Onimusha und Control Resonant mit ihrem Bloat etwas verloren hatten, war die Pause davon zugunsten von Ace Combat 8 eine ausgezeichnete Entscheidung. Das Spiel hat mir enorm viel Spaß gemacht und mich regelmäßig davon abgehalten, den Controller aus der Hand zu legen. Für mich ist es bislang das beste Spiel des Jahres und verdient eine sehr starke 9/10. Wären nicht bereits weitere Titel eingeplant – darunter Star Wars: Galactic Racer, Control Resonant und Onimusha –, würde ich mich wohl direkt in ältere Ace-Combat-Teile stürzen. Ich hoffe, dass das Spiel den Erfolg bekommt, den es verdient, und freue mich schon auf den nächsten Teil. Der darf gern so ungewöhnlich ausfallen wie Ace Combat 3: Electrosphere, dessen verzweigte Story-Pfade es erzählerisch durchaus mit Hideo Kojima aufnehmen können.

Die Reihe bedient zwar eine Nische und dürfte deshalb für viele Spieler weder infrage kommen noch ein GOTY-Kandidat sein. Der Soundtrack allein hätte einen solchen Titel für mich allerdings mit Leichtigkeit verdient. Trotzdem kann ich Ace Combat 8 uneingeschränkt empfehlen: Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, Vorkenntnisse aus den Vorgängern sind nicht nötig. Interessierten kann ich den Kauf über einen Keyseller ans Herz legen: Dort sind mitunter noch Steam-Keys mit Preorder-Bonus erhältlich. Dieser umfasst nicht nur ein zusätzliches Flugzeug, sondern auch eine Portierung von Ace Combat Zero – einem der meistgeschätzten Teile der Reihe.

VI. Screenshots

Diskussion (15)

Koeter#65437
Naja, es sind Flugzeuge, die Ziele abballern. ^^
♥ 1Haha 1
GagGorilla#65438
Koeter
Naja, es sind Flugzeuge, die Ziele abballern. ^^


Hätte ja sein können wie bei einem Resident Evil wo es Vorgeschichte gibt, die man wissen sollte oder ähnliches. Dann ist es eher zu sehen wie ein NFS?
Koeter#65439
Kurzfassung:


Oberflächlich betrachtet erzählt Ace Combat Geschichten über außergewöhnliche Kampfpiloten, die aussichtslose Kriege entscheiden. Die übergreifende Handlung ist jedoch deutlich komplexer. Es geht um die langfristigen Folgen militärischer Niederlagen, um Nationalismus, politische Manipulation und um die Frage, ob technologischer Fortschritt Kriege tatsächlich verhindern kann.

Dabei wiederholt sich ein bestimmtes Muster: Ein Krieg endet, doch seine Ursachen verschwinden nicht. Die Verlierer hinterlassen ungelöste Konflikte, neue Waffen und Menschen, die auf Rache sinnen. Diese Hinterlassenschaften werden Jahre oder Jahrzehnte später zum Ausgangspunkt des nächsten Krieges. Ace Combat erzählt damit weniger eine einzige fortlaufende Geschichte als vielmehr die Geschichte einer Welt, die immer wieder an den Folgen ihrer früheren Kriege scheitert.


Lange Version:
Spoiler

Die Geschichte der Ace-Combat-Reihe spielt größtenteils in einer alternativen Welt namens Strangereal. Obwohl dort viele Flugzeuge und Waffensysteme aus unserer Realität existieren, unterscheiden sich die geografischen und politischen Verhältnisse erheblich. Mächtige Staaten wie Osea, Yuktobania, Belka und Erusea kämpfen um Einfluss, Territorien und Ressourcen. Die zahlreichen Kriege der Spielreihe erscheinen zunächst wie voneinander unabhängige Konflikte, sind jedoch durch historische Ereignisse, politische Entwicklungen und militärische Technologien miteinander verbunden.

Einer der wichtigsten Ausgangspunkte ist der Belkanische Krieg von 1995, dessen Geschichte in Ace Combat Zero erzählt wird. Belka war einst eine bedeutende Militärmacht, geriet jedoch durch wirtschaftliche Probleme und politische Fehlentscheidungen in eine schwere Krise. Das Land verlor große Gebiete, von denen einige später als besonders rohstoffreich erkannt wurden. Nationalistische Kräfte nutzten die Unzufriedenheit der Bevölkerung, übernahmen die politische Führung und begannen einen Krieg zur Rückeroberung der verlorenen Territorien. Eine internationale Koalition unter Führung Oseas stellte sich Belka entgegen. Zu ihren erfolgreichsten Piloten gehörte der Söldner Cipher, der gemeinsam mit seinem Flügelmann Pixy zahlreiche entscheidende Schlachten gewann.

Als die belkanischen Streitkräfte immer weiter zurückgedrängt wurden, entschloss sich die belkanische Führung zu einer verzweifelten Maßnahme. Sie zündete sieben Atombomben auf eigenem Staatsgebiet, um den Vormarsch der gegnerischen Truppen aufzuhalten. Tausende Menschen starben, und die Explosionen hinterließen tiefe politische und gesellschaftliche Wunden. Belka verlor den Krieg und musste weitere Gebietsverluste hinnehmen. Doch die Niederlage führte keineswegs zu einem dauerhaften Frieden. Nationalistische Gruppen machten Osea für den Niedergang ihres Landes verantwortlich und begannen, langfristige Rachepläne zu entwickeln. Gleichzeitig entstand die radikale Bewegung A World With No Boundaries, die sämtliche Staatsgrenzen abschaffen wollte. Pixy schloss sich dieser Bewegung an und stellte sich schließlich seinem ehemaligen Kameraden Cipher entgegen. Cipher konnte ihn besiegen und den Einsatz einer gefährlichen Waffe verhindern. Die ideologischen Folgen des Krieges blieben jedoch bestehen.

Wenige Jahre später, 1997 und 1998, erschütterte ein militärischer Aufstand den Kontinent Usea. In Ace Combat 2 versuchen rebellische Streitkräfte, die Kontrolle über mehrere Staaten zu übernehmen. Eine Söldnereinheit namens Scarface wird beauftragt, den Aufstand niederzuschlagen. Ihr herausragender Pilot Phoenix, bekannt als Scarface One, kämpft gegen die Aufständischen und deren experimentelle Waffensysteme. Der Konflikt endet mit der Niederlage der Rebellen. Gleichzeitig zeigt sich bereits, dass die Entwicklung immer leistungsfähigerer Kampfflugzeuge und autonomer Systeme die militärische Zukunft Strangereals entscheidend prägen wird.

Im Jahr 1999 ereignet sich eine Katastrophe, deren Folgen die Welt über Jahrzehnte verändern. Der Asteroid Ulysses 1994XF04 zerbricht beim Eintritt in die Erdatmosphäre in zahlreiche Fragmente, die auf der Oberfläche einschlagen. Besonders der Kontinent Usea wird schwer verwüstet. Hunderttausende Menschen sterben, Millionen verlieren ihre Heimat, und ganze Regionen werden wirtschaftlich und politisch destabilisiert. Zur Abwehr der Asteroidenfragmente wurde zuvor das gewaltige Geschützsystem Stonehenge errichtet, dessen elektromagnetische Kanonen selbst riesige Himmelskörper zerstören können. Nach der Katastrophe verliert die Anlage jedoch ihren ursprünglichen Zweck und wird zu einem strategisch äußerst wertvollen militärischen Objekt.

Die Zerstörungen durch Ulysses führen zu einer gewaltigen Flüchtlingskrise. Besonders Erusea gerät durch die politischen und wirtschaftlichen Folgen unter Druck. Die eruseanische Führung nutzt die instabile Lage, um ihren Einfluss auf dem Kontinent Usea gewaltsam auszudehnen. Im Jahr 2003 beginnt der Kontinentalkrieg, der in Ace Combat 04: Shattered Skies erzählt wird. Erusea besetzt große Teile des Kontinents und bringt auch Stonehenge unter seine Kontrolle. Die ursprünglich zur Asteroidenabwehr gebauten Kanonen werden nun gegen feindliche Flugzeuge eingesetzt und verschaffen Erusea eine gewaltige militärische Überlegenheit.

Die verbliebenen verbündeten Staaten Useas schließen sich zur ISAF zusammen und versuchen, die eruseanischen Streitkräfte zurückzudrängen. Eine entscheidende Rolle übernimmt der Pilot Mobius 1, der durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zu einer lebenden Legende wird. Er zerstört Stonehenge, besiegt die berühmte eruseanische Yellow Squadron und trägt maßgeblich zur Befreiung des Kontinents bei. Schließlich wird Erusea besiegt. Doch auch dieser Krieg hinterlässt ungelöste Probleme. Die Niederlage schwächt Eruseas internationale Stellung, während nationalistische Kräfte weiterhin von einer Rückkehr zu alter Größe träumen. Diese Spannungen werden viele Jahre später erneut zu einem Krieg führen.

Im Jahr 2010 kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Supermächten Osea und Yuktobania, obwohl sich ihre Beziehungen zuvor deutlich verbessert hatten. In Ace Combat 5: The Unsung War beginnt der Krieg mit einer Reihe militärischer Zwischenfälle, gegenseitiger Anschuldigungen und gezielter Provokationen. Der oseanische Pilot Blaze und seine Kameraden der Wardog-Staffel werden in die Kämpfe hineingezogen und entwickeln sich zu entscheidenden Figuren des Krieges.

Im Verlauf der Handlung entdecken sie, dass der Konflikt keineswegs zufällig entstanden ist. Hinter den Ereignissen steht eine Gruppe belkanischer Nationalisten, die als Grey Men bekannt ist. Diese Männer haben die Niederlage Belkas von 1995 niemals akzeptiert. Über viele Jahre hinweg haben sie wichtige Positionen innerhalb der politischen und militärischen Strukturen Oseas und Yuktobanias unterwandert. Ihr Ziel besteht darin, die beiden Supermächte gegeneinander auszuspielen, damit sie sich gegenseitig schwächen und zerstören. Auf diese Weise wollen sie Rache für die Demütigung Belkas nehmen.

Die Verschwörer manipulieren Informationen, inszenieren Angriffe und sorgen dafür, dass beide Staaten den jeweils anderen für den Krieg verantwortlich machen. Als Blaze und seine Kameraden der Wahrheit näherkommen, werden sie selbst zu Staatsfeinden erklärt. Sie müssen untertauchen und kehren später als geheimnisvolle Razgriz-Staffel zurück. Gemeinsam mit Verbündeten auf beiden Seiten gelingt es ihnen, die Verschwörung aufzudecken und die politischen Führungen Oseas und Yuktobanias zur Zusammenarbeit zu bewegen. Im Finale verhindern sie den Einsatz einer orbitalen Superwaffe und beenden damit den Krieg. Die Ereignisse zeigen, wie tief die Folgen des Belkanischen Krieges noch fünfzehn Jahre später in die internationale Politik hineinreichen.

Währenddessen wirken sich die Folgen der Asteroidenkatastrophe auch auf anderen Kontinenten aus. Besonders Estovakia auf dem Kontinent Anea wurde durch Ulysses schwer getroffen. Wirtschaftlicher Zusammenbruch, gesellschaftliche Spannungen und politische Machtkämpfe führten dort zu einem langjährigen Bürgerkrieg. Schließlich übernahm eine Militärregierung die Kontrolle über das Land. Im Jahr 2015 griff Estovakia das benachbarte Emmeria an und löste damit den Krieg aus, der in Ace Combat 6: Fires of Liberation erzählt wird.

Die estovakischen Streitkräfte erobern zunächst große Teile Emmerias, darunter die Hauptstadt Gracemeria. Der emmerianische Pilot Talisman und seine Garuda-Staffel beteiligen sich an der Gegenoffensive und helfen dabei, die besetzten Gebiete zurückzuerobern. Estovakia setzt dabei auf hochentwickelte Waffensysteme und gewaltige militärische Anlagen, um seine Überlegenheit zu sichern. Letztlich gelingt es Emmeria, die Invasion zurückzuschlagen. Obwohl dieser Krieg weitgehend unabhängig von den Konflikten zwischen Osea, Belka und Erusea verläuft, zeigt er erneut, wie die Katastrophe von 1999 langfristig ganze Staaten destabilisiert hat.

Im Jahr 2019 eskalieren die Spannungen auf Usea erneut. Osea hat dort einen gewaltigen Weltraumaufzug errichtet, der als Symbol des technologischen Fortschritts und internationaler Zusammenarbeit gedacht ist. Erusea betrachtet das Projekt jedoch als Ausdruck oseanischer Dominanz und als Bedrohung seiner eigenen politischen Unabhängigkeit. Die eruseanische Führung erklärt Osea den Krieg und beginnt eine groß angelegte militärische Offensive. Dieser Konflikt bildet die Handlung von Ace Combat 7: Skies Unknown und wird als Leuchtturmkrieg bekannt.

Eine entscheidende Besonderheit dieses Krieges ist der massive Einsatz unbemannter Kampfflugzeuge. Erusea nutzt hochentwickelte Drohnentechnologie, um die zahlenmäßige und militärische Überlegenheit Oseas auszugleichen. An der Entwicklung dieser Systeme ist unter anderem der belkanische Wissenschaftler Schroeder beteiligt. Er arbeitet an Technologien, mit denen die Flugfähigkeiten außergewöhnlicher menschlicher Piloten analysiert und auf künstliche Intelligenzen übertragen werden können. Als wichtiges Vorbild dient der legendäre eruseanische Pilot Mihaly, dessen Kampferfahrung und Flugmanöver zur Verbesserung der Drohnensysteme verwendet werden.

Der oseanische Pilot Trigger gerät zu Beginn des Krieges in eine politische und militärische Intrige. Während einer Rettungsmission kommt der ehemalige oseanische Präsident Vincent Harling ums Leben, der bereits während der Ereignisse von Ace Combat 5 eine wichtige Rolle gespielt hatte. Trigger wird fälschlicherweise für dessen Tod verantwortlich gemacht und in eine Strafstaffel versetzt. Trotz dieser Umstände beweist er immer wieder seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und wird schließlich zu einem der wichtigsten Piloten des Krieges.

Mit fortschreitendem Konflikt verschlechtert sich die Lage auf beiden Seiten. Die Zerstörung von Satelliten und Kommunikationsnetzen führt zu Chaos, Fehlinformationen und dem Zusammenbruch militärischer Befehlsstrukturen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die immer weiterentwickelten Drohnensysteme eine Gefahr darstellen, die weit über den ursprünglichen Konflikt zwischen Osea und Erusea hinausgeht. Die künstlichen Intelligenzen können die Fähigkeiten menschlicher Spitzenpiloten übernehmen und eigenständig weiterentwickeln. Damit droht eine Zukunft, in der autonome Kampfsysteme Kriege führen könnten, ohne noch vollständig von Menschen kontrolliert zu werden.

Am Ende schließen sich Piloten und andere Beteiligte beider Kriegsparteien zusammen, um diese Bedrohung zu beseitigen. Trigger besiegt die letzten besonders gefährlichen Drohnen und verhindert, dass sich ihre Kampfdaten weiterverbreiten. Der Krieg endet und hinterlässt erneut einen politisch erschütterten Kontinent. Die Geschichte verbindet damit die langfristigen Folgen des Kontinentalkrieges aus Ace Combat 04, die internationale Rolle Oseas aus Ace Combat 5 und die technologische Entwicklung, die ihren Ursprung teilweise in belkanischen Forschungsprojekten hat.

Im Jahr 2020 beginnt auf dem südlichen Kontinent Osea ein weiterer Konflikt. In Ace Combat X: Skies of Deception greift der Staat Leasath das benachbarte Aurelia an. Die aurelianischen Streitkräfte werden zunächst weitgehend besiegt, doch der Pilot Gryphus 1 organisiert gemeinsam mit den verbliebenen Einheiten den Widerstand. Im Verlauf des Krieges stellt sich heraus, dass der Konflikt nicht nur durch politische Feindseligkeiten entstanden ist, sondern auch durch wirtschaftliche Interessen und gezielte Manipulationen innerhalb der leasathischen Führung vorangetrieben wurde. Aurelia gelingt es schließlich, die Invasion zurückzuschlagen und seine Unabhängigkeit wiederherzustellen.

In den folgenden Jahrzehnten verändert sich die Welt von Strangereal zunehmend. Die Bedeutung traditioneller Nationalstaaten nimmt ab, während internationale Großkonzerne immer mehr wirtschaftliche, politische und militärische Macht gewinnen. Gleichzeitig schreitet die Entwicklung künstlicher Intelligenzen, autonomer Kampfsysteme und neuronaler Technologien rasant voran. Diese Entwicklung bildet den Hintergrund von Ace Combat 3: Electrosphere, dessen Handlung im Jahr 2040 angesiedelt ist.

Zu dieser Zeit stehen nicht mehr hauptsächlich Staaten im Mittelpunkt der großen Konflikte, sondern mächtige Konzerne wie General Resource und Neucom. Beide Unternehmen verfügen über eigene militärische Streitkräfte und konkurrieren um technologische und wirtschaftliche Vorherrschaft. Die Universal Peace Enforcement Organization, kurz UPEO, versucht, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln und einen offenen Krieg zu verhindern.

Die technologischen Möglichkeiten haben sich inzwischen grundlegend verändert. Hochentwickelte künstliche Intelligenzen übernehmen komplexe Aufgaben, Flugzeuge verfügen über neuartige Steuerungssysteme, und die Digitalisierung menschlichen Bewusstseins ist zu einem zentralen Forschungsgebiet geworden. Die Grenzen zwischen menschlicher Identität und künstlicher Existenz beginnen zu verschwimmen.

Der Spieler wird in einen Konflikt hineingezogen, bei dem die Interessen der verschiedenen Organisationen und einzelner Wissenschaftler zunehmend miteinander kollidieren. Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um militärische Überlegenheit, sondern auch um die Frage, was menschliches Bewusstsein eigentlich ausmacht und ob eine digitale Existenz als Fortsetzung eines menschlichen Lebens betrachtet werden kann.

Die ursprüngliche japanische Fassung von Ace Combat 3 erzählt diese Geschichte in mehreren unterschiedlichen Handlungsverläufen. Am Ende wird enthüllt, dass die durchgespielten Ereignisse Teil einer Simulation sind. Die verschiedenen möglichen Entwicklungen dienen dazu, das Verhalten einer künstlichen Intelligenz zu untersuchen. Deshalb stellen die unterschiedlichen Enden keine eindeutig festgelegte historische Zukunft dar.

Betrachtet man die gesamte Reihe, wird deutlich, dass sich ihre Geschichte im Wesentlichen um zwei große historische Ereignisse entwickelt. Der Belkanische Krieg von 1995 hinterlässt einen tief verwurzelten Nationalismus, der noch Jahrzehnte später internationale Konflikte beeinflusst. Die Asteroidenkatastrophe von 1999 wiederum zerstört ganze Regionen, verursacht Flüchtlingskrisen und destabilisiert mehrere Staaten. Aus den politischen und wirtschaftlichen Folgen entstehen neue Kriege, deren Auswirkungen wiederum spätere Konflikte begünstigen.

Parallel dazu verändert sich die Art der Kriegsführung. Während in den frühen Konflikten außergewöhnlich talentierte menschliche Piloten über den Ausgang ganzer Schlachten entscheiden, gewinnen experimentelle Superwaffen, unbemannte Flugzeuge und künstliche Intelligenzen zunehmend an Bedeutung. In Ace Combat 7 wird erstmals besonders deutlich, dass die Fähigkeiten menschlicher Spitzenpiloten systematisch auf Maschinen übertragen werden können. Ace Combat 3 führt diese Entwicklung in eine Zukunft weiter, in der künstliche Intelligenz und menschliches Bewusstsein kaum noch eindeutig voneinander zu trennen sind.

Die übergreifende Geschichte von Ace Combat ist deshalb nicht die Geschichte eines einzelnen Helden oder eines einzigen Krieges. Sie erzählt von einer Welt, in der militärische Niederlagen, politische Rache, wirtschaftliche Interessen und technologische Entwicklungen immer neue Konflikte hervorbringen. Jeder Krieg hinterlässt ungelöste Probleme, die Jahre oder Jahrzehnte später erneut aufbrechen können.

Gleichzeitig zieht sich ein weiteres Motiv durch nahezu sämtliche Spiele: Trotz gewaltiger Armeen, politischer Intrigen und immer mächtigerer Waffensysteme sind es häufig einzelne Menschen, die den entscheidenden Unterschied machen. Piloten wie Cipher, Mobius 1, Blaze, Talisman und Trigger werden zu Legenden, weil sie sich gegen scheinbar übermächtige Gegner behaupten und den Verlauf ganzer Kriege verändern.


Damit erzählt Ace Combat letztlich die Geschichte einer Welt, die immer wieder versucht, aus den Fehlern ihrer Vergangenheit zu lernen, während neue Generationen mit den Folgen alter Konflikte konfrontiert werden. Zugleich stellt die Reihe zunehmend die Frage, ob menschliche Entscheidungen auch in einer Zukunft noch ausschlaggebend sein werden, in der Maschinen die Fähigkeiten selbst der besten Piloten übertreffen können.
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AzRaeL#65440
Also eher eine Anthologie-Reihe, wo jedes Game eine eigene Geschichte aus der großen Lore erzählt.


Geschichte wirkt erschreckend nah an unserer Realität
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Raizel#65444
GagGorilla
Muss man eigentlich andere Teile gespielt haben? Oder ist das jedes mal etwas ganz anderes?


Ist zwar ein großes Universum, aber die Geschichten sind in der Regel in sich geschlossen, so dass du nichts anderes gespielt haben musst.

Beitrag wurde zusammengefügt

AzRaeL
Geschichte wirkt erschreckend nah an unserer Realität


Dezent. Die Reihe ist quasi ein fiktives What-If-Szenario à la Nazi-Deutschland überlebt und der kalte Krieg wird heiß. Als Military/Political Fiction sehr gut gemacht.
♥ 1

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