❞MitgliedL1F4D · Beitrag #29134 schrieb:
Man darf sich auf jeden Fall nicht auf eine Mission versteifen und versuchen alles zu erledigen bevor man weiter geht. Oft sind die Lösungen über mehrere Gebiete verteilt. Teilweise auch über mehrere Akte. Backtracking ist leider unvermeidbar. Stört mich sonst eigentlich auch immer, aber bei dem Spiel irgendwie nicht. ^^
Ich war zum Glück nie an einem Punkt wo ich nicht weiter gekommen bin und habe es komplett ohne Hilfe gezockt.
Das auf jeden Fall und ich glaube auch, damit kann man das Pacing besser gestalten, als ich es nun erlebt habe.
Nach einer intensiven Session gestern, hab ich das Spiel gerade beendet und bin etwas zwiegespalten. Neben aller Kritik die ich hier schon geäußert habe, die sich nicht ändert, sogar zum Teil noch schwerwiegender ausfallen würde, finde ich die übergreifende Lore fragwürdig bis absolut unverantwortlich in der Aussage.
[SPOILER=]
Die Gewalttaten des Bürgerkrieges und der Bevölkerung werden grundlegend durch göttliche Intervention erklärt und damit entschuldigt. Kontrolliert vom Einfluss des Eye of God konnten die Menschen in Hadea ja nie anders als sich gegenseitig abzuschlachten. Das empfinde ich als extrem schwach, sowohl auf einer narrativen Ebene, als vor Allem auf einer moralischen. Das Spiel präsentiert Gräueltaten, die sich gegenseitig bedingen. Der letzte Ausbruch der Calamaty wurde von externen Kräften inszeniert und ausgelöst, weil das Land einen Weg zum Frieden gefunden hat mit der "Week of Peace". Das wirkt alles dann doch etwas uninspiriert. Es gab hier Potentiale, aber die Erklärung hat mich extrem enttäuscht zurückgelassen, weil die Folge daraus auch lediglich ist: Es wird sich nichts ändern, weil die Menschen können ja nichts dafür. Das Eye of God scheint ja nicht vernichtet, sowieso die Frage, wieso ist das nicht direkt passiert, als man den Failswitch gebaut hat und d.h. 33 Jahre später (2026) bricht wieder eine Calamaty aus.
Zwischendurch dachte ich, dass die Geschichte viel mehr darüber handelt, dass Menschen aus der Gewalt auf Grund nicht enden wollender Provokationen ausbrechen können. Entsprechend die Timeloops und das nur durch eine Umdeutung der Geschichte oder der Beziehung der jeweiligen Gruppen überwunden werden kann. Eine Erzählung darüber, dass historisch gewachsener Hass keinen Platz in einer Gesellschaft hat, die selbst keine Verbindung zu diesen Gräueltaten hat. Immer wieder sehen wir auch Funken einer solchen Erzählung, die auf Vergebung, Verstehen und Verbünden hätte setzen können. Aber was ich hier mit rausnehme ist, trotz allem was wir getan haben, der Krieg geht weiter und in 33 Jahren geht es wieder los. Absoluter Scheiß, wenn man 20+ Stunden investiert und eigentlich nichts bewegt hat. Aber vielleicht verstehe ich das ja auch alles falsch.
[/SPOILER]
Auf der Gameplay Ebene halte ich es für einen großen Fehler keinerlei Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, eine selbstgezeichnete Karte des Charakters oder Ähnliches hätte einige Male durchaus geholfen. Die Menuführung und damit einhergehenden Infos sind total überladen und unübersichtlich. Was sich beides aber auch gegenseitig bedingt, weil ich den Eindruck habe, dass die Entwickler selbst keine bessere Idee hatten.
Obwohl das Spiel insgesamt nicht lang ist, sind einige Gebiete künstlich gestreckt und man fühlt sich irgendwann wie der Postboote vom Dienst, weil es immer nur hin und her geht.
World Building ist super und darin kann man sich auch gut verlieren.
Ich habe es für 30€ physisch erworben und dafür kann ich es empfehlen, trotz aller Frustration, steckt da ein kompetentes Spiel drin, woran einige Leute richtig Spaß haben werden.