Du sprichst für dich und eine gewisse Ecke, die fast alle die gleichen Argumente wie im Chor vortragen. Ist aber nur eine kleine Ecke. Zahlen sprechen dagegen eine viel deutlichere Sprache und die Exclusives verkaufen sich nach wie vor gut und haben ihre Fans.
Ich werde nicht bestreiten, dass ich kein Freund "kalifornischer Ideologie" bin. Diese Ideologie ist allerdings nur ein Symptom, das m.E. mittlerweile für langweiliges Storywriting steht. Abseits davon sind die aktuellen Iterationen der Sony-Titel auch völlig unbeachtet dieser Ideologie langweiliger als ihre jeweiligen Vorgänger - dazu später mehr. Dass das natürlich meine Meinung wiederspiegelt, sollte klar sein. Ich habe nie behauptet, dass ich für meine Ansichten Gemeingültigkeit beanspruche. Das sollte auch ohne Zusätze wie "m.E." in jedem Satz klar sein.
Es wäre überdies eine Schande, wenn sich die Exclusives mit Sony-Branding und -Marketing nicht gut verkaufen würden - erst recht nicht seit Covid. Wie bereits erwähnt, hat gerade Covid den Gaming-Markt um ein Vielfaches vergrößert. Bei der Bepreisung von Spielen wird gern das Inflationsargument genutzt. Dasselbe könnte man bei verkauften Einheiten machen, indem man die Größe des Marktes von damals mit dem von heute vergleicht.
Für mich sind sie nicht langweilig. Davon abgesehen ist dieser Artikel auch sehr einseitig, wie das ganze "Sony-IP sind einseitig und langweilig" Narrativ. Welche Rachestory hatte bitte denn Demons Souls, Astro Bot, Ratchet and Clank und Gran Turismo 7?
Demon Souls ist keine Sony-IP, sondern ein 3rd party Titel für dessen plattformexklusives Remake Sony gezahlt hat. Die restlichen Spiele können allein schon aufgrund des Genres keine cineastische Rachegeschichte abbilden. Abgesehen davon gibt es natürlich immer Ausnahmen. Das heißt aber nicht, dass ein gewisses Schema bei den cineastischen Spielen nicht erkennbar ist.
God of War Ragnarök, The Last of Us und Ghost of Yōtei stehen für mich dagegen in einem absoluten Kontrast. Ich finde daran nichts weichgespült. Gehe daher auch 0 mit der Argumentation mit.
Kratos als Vater, Joel & Ellies Vater-Tochter-Komplex und Atsus Zerrissenheit zwischen Rache und Familie empfinde ich nicht als weichgespültes Mainstream. Sogar im Gegenteil für Gaming sind das m.E. sogar sehr erwachsene Stories.
Kann sein, dass Kiddies und ewige Junggesellen ohne Familie damit nichts anfangen können, aber mich catchen diese Games unnormal auf einer ganz anderen Ebene.
Als God of War Reboot rauskam, bin ich auch paar Jahre zuvor Vater geworden. Mich hat diese Beziehung aus Sorge und wohlgemeinter Strenge von Kratos zu Atreus einfach nur annormal krass auf einer persönlichen Ebene berührt. Das verließ für mich schon den Rahmen Gaming und sprach auf Meta Eben zu mir. Ich habe so etwas bis dato noch nie im Gaming erlebt.
Wenn ich dann lese "weichgespülter Kratos" bla bla, dann muss ich halt automatisch daran denken, dass diese Person selber noch sehr infantil unterwegs ist und gewisse Punkte in der Persönlichkeitsentwicklung noch nicht erreicht hat.
Ich kann auch als "infantiler Junggeselle" eine gute Eltern-Kind-Story schätzen und nachvollziehen. TLOU I und GoW (2018) waren m.E. sehr gute Spiele - auch, weil sie sich auf den Kerngedanken hinter der Story konzentriert haben. Die Nachfolger hingegen haben dafür m.E. stark abgenommen. TLOU II hat die IP in eine lächerliche Rache-Story geführt, dessen Ende völlig absurd ist. GoW Ragnarök hatte hingegen zu viele Plotholes und das permanente Backseating hat mich in den Wahnsinn getrieben.
Ich finde auch die Story in Ghost of Yotei eher schwach. Das Spiel baut vermeintliche (moralische) Konflikte auf, die im Kontext der Spielwelt keine sind. Ich habe das Spiel heute zu Ende gebracht und seitdem ist meine Meinung über die Story noch mehr gesunken, weil das Ende absolut lächerlich war. Ohne spoilern zu wollen: Den Stunt, den Sucker Punch dort gebracht hat, kann man am Anfang eines Spiels bringen, aber nicht direkt am Ende, ohne die Story ad absurdum zu führen. Aber gut: Review kommt irgendwann morgen.
Vielleicht bin ich auch einfach in diesem Jahr zu verwöhnt von Geschichten wie Clair Obscur oder (das für Leute, die sich mit ((süd-) ost-) asiatischer Kultur ein wenig auskennen, sehr vorhersehbare) Silent Hill f, dass ich sowas wie Ghost of Yotei nicht schätzen kann. Dennoch sehe ich fast überall bei westlichen Entwicklern mittlerweile deutliche Schwächen beim Storywriting - insbesondere bei Entwicklern aus den USA. In der Hinsicht ist Sony mit dem Qualitätsmangel nicht allein, sondern gesellt sich fröhlich zu Studios wie Bethesda, Obsidian und Co.