Die RAM-Krise ist längst nicht mehr nur ein Problem für Menschen, die gerade einen neuen Gaming-PC zusammenstellen wollen. Für das vierte Quartal 2026 zeichnet sich vielmehr eine Situation ab, in der steigende Speicherpreise zunehmend auf den gesamten Hardwaremarkt durchschlagen könnten. Und das eigentlich Beunruhigende ist, dass momentan kaum etwas darauf hindeutet, dass sich die Lage nach Weihnachten schnell wieder normalisiert.

Für das dritte Quartal wurden bei konventionellem DRAM bereits deutliche Preissteigerungen erwartet, während weitere Prognosen für das vierte Quartal noch einmal kräftig nach oben zeigen. Jefferies sieht für Q4 2026 weitere Preissteigerungen von rund 30 bis 40 Prozent, nachdem bereits im dritten Quartal ein Anstieg von 40 bis 50 Prozent erwartet wurde. Das sind wohlgemerkt Prognosen und keine Garantie dafür, dass jedes einzelne RAM-Kit im Handel exakt um diesen Betrag teurer wird, aber die Richtung des Marktes ist eindeutig aber waren gut erkennbar und es ist ja noch nicht vorbei!

Damit könnte Q4 2026 der Moment werden, an dem RAMageddon auch für normale Käufer unübersehbar wird. Wer seinen PC mit 32 oder 64 GB DDR5 aufrüsten möchte, könnte deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen als noch ein Jahr zuvor. Gleichzeitig betrifft die Entwicklung nicht nur den Arbeitsspeicher, sondern zunehmend auch NAND-Flash und damit SSDs.

2027 könnte das eigentliche Krisenjahr werden​

Noch wichtiger als das vierte Quartal 2026 ist deshalb die Entwicklung im kommenden Jahr. Samsung geht davon aus, dass sich die Speicherknappheit 2027 sogar noch verschärfen könnte und die angespannte Versorgung mindestens bis 2028 anhält. Das ist eine ziemlich deutliche Ansage, denn Samsung gehört selbst zu den weltweit größten Speicherherstellern und kennt die Entwicklung seiner eigenen Produktionskapazitäten sehr genau.

Der Grund dafür ist nicht verschwunden. KI-Rechenzentren benötigen weiterhin enorme Mengen an Speicher, wobei insbesondere HBM für moderne KI-Beschleuniger eine zentrale Rolle spielt. TrendForce erwartet, dass die HBM-Nachfrage 2027 weiterhin konventionelle DRAM-Kapazitäten verdrängt und damit genau den Speicher unter Druck setzt, den PC-Spieler und andere Consumer normalerweise kaufen.

Das macht die Situation so schwierig. Selbst wenn die Hersteller ihre Produktion ausbauen, entsteht zusätzliche Kapazität nicht innerhalb weniger Monate, während die KI-Industrie bereits langfristige Lieferverträge abschließt und sich damit einen erheblichen Teil der zukünftigen Produktion sichert. Für normale Verbraucher bedeutet das, dass sie bei der Verteilung der knappen Kapazitäten nicht unbedingt an erster Stelle stehen.

RAM ist nicht unser einziges Problem​

Wer bei RAMageddon ausschließlich an DDR5 denkt, greift deshalb inzwischen zu kurz. Auch NAND-Flash steht unter Druck, und damit betrifft die Krise einen weiteren Bestandteil moderner Gaming-Hardware. TrendForce erwartet für den NAND-Markt 2026 ein Angebotsdefizit, während eine deutliche Entspannung erst in der zweiten Hälfte von 2027 möglich sein soll.

Das könnte sich direkt bei SSDs weiter bemerkbar machen. Gaming-PCs, PlayStation 5, Xbox Series X|S und kommende Hardwaregenerationen setzen inzwischen selbstverständlich auf schnelle Flash-Speicher, während gleichzeitig Rechenzentren immer größere Mengen an Enterprise-SSDs benötigen. Wenn beide Märkte gleichzeitig wachsen, wird es für Hersteller schwieriger, günstige Consumer-SSDs mit großen Kapazitäten anzubieten.

NAND profitiert ebenfalls vom KI-Boom. Große Rechenzentren benötigen nicht nur HBM und DRAM, sondern auch riesige Speichersysteme für Daten und KI-Anwendungen. Damit entsteht ein zweiter Engpass neben dem klassischen Arbeitsspeicher, der für Gamer in den kommenden Jahren mindestens genauso interessant werden könnte.

Grafikkarten könnten als Nächstes stärker betroffen sein​

Bei Grafikkarten wird die Situation ebenfalls zunehmend interessant. Eine GPU benötigt ihren eigenen Speicher, und GDDR6 beziehungsweise GDDR7 stehen ebenfalls unter Druck, weil die verfügbare Produktionskapazität nicht beliebig erweitert werden kann. PC Partner, das unter anderem Zotac, Inno3D und Manli besitzt, warnte bereits vor einer Verschärfung der Versorgungssituation bei günstigeren Grafikkarten in der zweiten Jahreshälfte 2026. Auch wenn es das eine oder andere Angebot bei nicht 5090 Karten gibt, sind diese bereits jetzt schon weit über den UVP Preis. Eine 5070TI welche eine UVP von knapp 900€ hätte ist der günstiges Anbieter aktuell bei 1128€ laut Geizhals.

Das könnte ausgerechnet den Markt treffen, der für viele PC-Spieler momentan noch interessant ist. Wenn VRAM teurer wird, steigt nicht automatisch der komplette Preis einer Grafikkarte im gleichen Verhältnis, aber Hersteller und Boardpartner müssen irgendwo auf die höheren Kosten reagieren. Weniger VRAM, höhere Verkaufspreise oder geringere Margen wären mögliche Konsequenzen.

Für kommende Grafikkartengenerationen wird deshalb die Speicherausstattung zu einer besonders interessanten Frage. Eine GPU mit 24 oder 32 GB VRAM benötigt erheblich mehr Speicherchips als ein günstigeres Modell, weshalb hohe Speicherkapazitäten bei anhaltend hohen Preisen zunehmend teuer werden könnten. Gleichzeitig wächst der Bedarf nach VRAM auch im Gaming, weil höhere Auflösungen, Raytracing und moderne KI-basierte Grafiktechniken immer mehr Speicher benötigen.

Und genau hier wird es für NVIDIA interessant​

NVIDIA befindet sich dabei in einer ungewöhnlichen Situation. Einerseits profitiert das Unternehmen massiv vom KI-Boom und gehört zu den wichtigsten Abnehmern der entsprechenden Speichertechnologien. Andererseits muss NVIDIA gleichzeitig den Gaming-Markt mit Grafikkarten versorgen, bei denen GDDR6 oder GDDR7 einen nicht unerheblichen Teil der Materialkosten ausmachen.

Bereits heute beobachten Marktanalysten steigende Preise bei verschiedenen GeForce-Modellen, während die Speicherknappheit zunehmend als einer der Gründe für den Preisdruck genannt wird. PC Gamer dokumentiert im September 2026 ebenfalls deutliche Preisschwankungen und teilweise massive Aufschläge bei aktuellen GeForce-Karten.

Für Gamer könnte das langfristig bedeuten, dass die klassische Entwicklung „neue Generation kommt, alte Generation wird günstiger“ nicht mehr so zuverlässig funktioniert. Wenn gleichzeitig GPU-Chips, VRAM und andere Komponenten teurer werden, können ältere Grafikkarten trotz ihres Alters vergleichsweise teuer bleiben. Das wäre für Käufer eine ziemlich unangenehme Entwicklung.

Bei Konsolen ist die Situation noch gefährlicher​

Bei Konsolen lässt sich die Entwicklung bereits heute beobachten und nicht nur prognostizieren. Microsoft hat offiziell erklärt, dass die Kosten für Speicher und Konsolenspeicher bereits um mehr als das 2,5-Fache gestiegen seien und bis Herbst 2027 eine weitere Verdoppelung erwartet werde. Gleichzeitig erhöhte Microsoft die Preise mehrerer Xbox-Modelle ab August 2026 deutlich.

Das ist deshalb so wichtig, weil Konsolen normalerweise anders kalkuliert werden als Gaming-PCs. Hersteller können eine Konsole nicht einfach beliebig teurer machen, weil die Hardware ein entscheidender Bestandteil des gesamten Ökosystems ist und der Einstiegspreis über die Attraktivität der Plattform entscheidet. Wenn aber die Produktionskosten dauerhaft steigen, funktioniert dieses Modell irgendwann nicht mehr ohne Preissteigerungen oder Veränderungen an der Hardware.

Nintendo steht vor einem ähnlichen Problem. Der Preis der Switch 2 wurde in Europa zum 1. September 2026 von 469,99 auf 499,99 Euro erhöht, während in den USA ebenfalls eine Preiserhöhung erfolgte. Nintendo nennt dabei die gestiegenen Kosten als Teil der wirtschaftlichen Belastung, womit die Auswirkungen der Speicherkrise inzwischen direkt beim Endkunden angekommen sind.

Was bedeutet das für PS6 und die nächste Xbox?​

Noch interessanter wird die Entwicklung bei den kommenden Konsolengenerationen. Eine neue PlayStation oder Xbox wird voraussichtlich wesentlich leistungsfähiger sein als die aktuellen Geräte und entsprechend mehr Speicher benötigen, während gleichzeitig genau dieser Speicher immer teurer wird. Die Hersteller stehen damit vor einem unangenehmen Zielkonflikt zwischen Hardwareleistung, Verkaufspreis und eigener Marge.

Microsoft hat bereits angekündigt, dass die bisherige Kostenentwicklung beim Speicher und Storage so nicht dauerhaft weitergehen könne. Das Unternehmen spricht deshalb nicht nur über höhere Preise, sondern auch über neue Geschäftsmodelle und Partnerschaften für zukünftige Hardware. Damit deutet sich an, dass die Speicherkrise langfristig sogar Auswirkungen darauf haben könnte, wie Konsolen verkauft werden.

Wenn Microsoft tatsächlich davon ausgeht, dass Speicher- und Storage-Komponenten bis 2027 gegenüber früheren Preisen ein Vielfaches kosten könnten, wird eine klassische neue Konsole mit deutlich stärkerer Hardware zu einem attraktiven Einstiegspreis immer schwieriger. Denkbar wären deshalb unterschiedliche Hardwaremodelle, stärkere Finanzierung oder eine noch engere Verbindung zwischen Konsole, Cloud und Abonnementdiensten.

2028 könnte die erste echte Entspannung bringen oder doch erst 2030?​

Bei all den schlechten Nachrichten sollte man allerdings nicht den Eindruck vermitteln, dass RAMageddon zwangsläufig bis 2030 jedes Jahr schlimmer wird. Dafür gibt es keine seriöse Grundlage. Die entscheidende Frage ist vielmehr, wann die Milliardeninvestitionen der Speicherhersteller tatsächlich zusätzliche Produktionskapazität liefern können.

Samsung rechnet damit, dass die angespannte Versorgung mindestens bis 2028 bestehen bleibt. Gleichzeitig bauen die großen Speicherhersteller ihre Kapazitäten aus, während neue Fabriken und Produktionslinien langfristig zusätzliche Mengen liefern sollen. Das Problem ist also nicht, dass die Industrie überhaupt nicht reagiert, sondern dass der Ausbau der Produktion deutlich langsamer erfolgt als das Wachstum der Nachfrage.

Deshalb könnte 2028 zu einem möglichen Wendepunkt werden. Wenn bis dahin zusätzliche Kapazitäten anlaufen und das Wachstum der KI-Nachfrage gleichzeitig etwas langsamer wird, könnte sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wieder verbessern. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass RAM und SSDs sofort wieder auf das Preisniveau von 2024 oder 2025 zurückfallen.

Und was passiert 2029 und 2030?​

Hier wird es spekulativer, und genau deshalb sollten wir bei diesen Jahren bewusst vorsichtig bleiben. Es gibt derzeit keine seriöse Prognose, die uns garantieren kann, dass RAM 2030 noch genauso knapp oder genauso teuer sein wird wie heute. Gleichzeitig sprechen die langen Bauzeiten neuer Produktionsstätten dafür, dass die Industrie noch mehrere Jahre mit den Folgen des aktuellen Nachfragebooms beschäftigt sein könnte.

Ein Beispiel ist Micron. Eine neue Produktionsstätte in New York soll laut aktuellen Berichten erst gegen Ende des Jahrzehnts eine bedeutende Rolle bei der Versorgung spielen. Das zeigt, warum die Industrie nicht einfach auf die aktuellen Preissteigerungen reagieren und innerhalb eines Jahres genügend neue Speicherchips auf den Markt bringen kann.

Für Gamer könnte deshalb ein dauerhaft höheres Preisniveau wahrscheinlicher sein als eine jahrelange gerade Linie nach oben. Selbst wenn die Speicherpreise ab 2028 wieder fallen, könnten sie über dem Niveau liegen, das wir aus der Zeit vor dem aktuellen KI-Boom kennen. Die eigentliche Frage lautet damit nicht nur, wann RAM wieder günstiger wird, sondern auch, ob wir jemals wieder zu den alten Preisen zurückkehren. Erste Prognosen sprechen von einer Entspannung 2027/28 von 15-20%, was aber mit dem aktuellen erhöhen von fast jedem Jahr mir 30-50% nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Selbst DDR4 ist bei 32GB mit 200-220€ an den Markt angepasst worden.

Was bedeutet RAMageddon für Gamer?​

Für PC-Spieler könnte Q4 2026 deshalb ein ziemlich wichtiger Zeitpunkt sein. Wer ohnehin aufrüsten wollte, sollte zumindest nicht automatisch davon ausgehen, dass RAM, SSDs und Grafikkarten im nächsten Jahr günstiger werden. Gleichzeitig wäre es falsch, aus Angst vor steigenden Preisen jetzt blind Hardware zu kaufen, denn niemand kann garantieren, wie sich der Markt in sechs oder zwölf Monaten tatsächlich entwickelt.

Bei Grafikkarten könnte der VRAM-Preis zunehmend wichtiger werden. Bei SSDs zeichnet sich ebenfalls eine angespannte Versorgungslage ab, während Konsolenhersteller bereits ganz konkret mit höheren Speicher- und Komponentenpreisen kämpfen. Der Unterschied zu früheren Speicherkrisen besteht damit vor allem darin, dass inzwischen mehrere wichtige Hardwarebereiche gleichzeitig betroffen sein können.

Und genau deshalb finde ich den Begriff RAMageddon durchaus passend. Es geht längst nicht mehr nur darum, dass ein 32-GB-Kit plötzlich 50 Euro mehr kostet. Wenn dieselbe Entwicklung gleichzeitig RAM, NAND, VRAM und Konsolenspeicher betrifft, kann daraus eine allgemeine Verteuerung von Gaming-Hardware entstehen.

Mein Ausblick: 2027 könnte für Gamer schwieriger werden als 2026​

Wenn ich die derzeit verfügbaren Prognosen zusammennehme, würde ich 2027 momentan als das kritischste Jahr betrachten. Für Q4 2026 erwarten uns möglicherweise weitere deutliche Preissteigerungen, während 2027 gleichzeitig die hohe KI-Nachfrage, langfristige Speicherverträge und begrenzte Produktionskapazitäten zusammenkommen. Erst danach könnte sich langsam ein Fenster öffnen, in dem neue Produktionskapazitäten den Markt entspannen.

Ich glaube deshalb nicht, dass wir jetzt seriös von einem "Hardware-Untergang bis 2030“ sprechen können. Dafür ist die Halbleiterindustrie viel zu dynamisch, und neue Produktionskapazitäten, technische Entwicklungen oder eine Abschwächung des KI-Booms könnten die Situation schneller verändern als heute erwartet. Was wir aber ziemlich deutlich sehen können, ist, dass günstigere Gaming-Hardware in den kommenden Jahren keineswegs garantiert ist.

Für uns Gamer könnte das sogar eine größere Veränderung bedeuten als eine einzelne teure RAM-Generation. Wenn Konsolen, Grafikkarten, SSDs und Arbeitsspeicher gleichzeitig unter Kostendruck geraten, müssen wir uns möglicherweise daran gewöhnen, dass Hardware nicht mehr automatisch mit jeder Generation günstiger beziehungsweise leistungsfähiger zum gleichen Preis wird. Vielleicht erleben wir gerade den Anfang einer Phase, in der wir unsere Hardware wieder länger behalten und Upgrades deutlich genauer planen müssen.

Und genau das macht RAMageddon für mich zu einem Thema, das wir auf Pixelgorillas.de unbedingt weiter beobachten sollten. Q4 2026 könnte erst der Anfang sein, 2027 könnte zum entscheidenden Jahr werden, 2028 zum möglichen Wendepunkt und 2029/2030 zeigen, ob die Speicherindustrie wieder zu einem normalen Gleichgewicht zurückfindet.

Wie seht ihr das? Würdet ihr 2026 noch einen Gaming-PC aufrüsten, solange ihr könnt, oder lieber abwarten? Und was glaubt ihr: Werden PS6, die nächste Xbox und kommende Grafikkarten durch RAMageddon tatsächlich deutlich teurer? Sind denn überhaupt noch 800-1000€ realistisch? Wie wird sich dies mit der 60xx Generation verhalten?
📚 Quellen