Ja — es gibt schon eine Reihe von Studien, die ziemlich nah an dein Gedankenexperiment herankommen, und zeigen, dass Gefallen / Nicht-Gefallen, Aufmerksamkeit, emotionale Erregung etc. die subjektive Zeitwahrnehmung beeinflussen. Ich fasse ein paar relevante Befunde zusammen und worauf es bei deinem Experiment ggf. ankommt.
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Was man schon weiß
1. Valenz und Arousal beeinflussen Zeitschätzungen
Ein Meta-Analyse zeigt: Emotionen verändern deutlich, wie Menschen Zeit wahrnehmen. Dabei spielen insbesondere
Valenz (positiv vs. negativ),
Arousal (wie aufgeregt / aktiviert man ist)
eine Rolle.
Zum Beispiel: negative Gefühle führen oft dazu, dass Zeit übergeschätzt wird, d.h. die Zeit „zieht sich“ im Erleben.
2. Gefällt / Gefällt nicht (Dislike / Like) – visuelle Stimuli
Eine Studie, „How liked and disliked foods affect time perception“, hat untersucht, wie Bilder von Nahrungsmitteln, die man mag vs. nicht mag, die Zeitschätzung beeinflussen.
Ergebnis: Bilder insgesamt führten dazu, dass die Dauer unterschätzt wurde im Vergleich zu neutralen Bildern — und besonders stark, wenn es sich um abgelehnte (disliked) Lebensmittel handelte.
Interpretation: Aufmerksamkeit wird abgelenkt, besonders bei Dingen, die man nicht mag → weniger Aufmerksamkeit auf die Zeit selbst → Zeit vergeht gefühlt schneller bzw. wird kürzer eingeschätzt.
3. Aufgabenschwierigkeit / Komplexität
Wenn eine Aufgabe komplexer ist, oder höhere mentale Beanspruchung mitbringt, führt das oft zu Überschätzung der Dauer (die Zeit fühlt sich länger an). Beispiele z. B. eine Studie in virtueller Realität: Bei höherer Komplexität stieg der „Workload“ und die Zeit wurde als länger geschätzt.
4. Motivation, Emotion und Stimulusart
In der Studie mit Musik („Musical training and emotional content of stimuli“) wurden Liedstücke mit trauriger vs. fröhlicher Stimmung gehört. Nicht-Musiker überschätzten traurige Musikstücke, während sie fröhliche unterschätzten.
In Studien, in denen Menschen mit Furcht- bzw. Angstreizen konfrontiert wurden, führt das oft zur Verlängerung der Zeitwahrnehmung (z. B. Angstbilder → Zeit wirkt länger).
5. Meta-Reviews
Es gibt Übersichtsarbeiten, die all diese Effekte zusammenfassen: z. B. Emotional modulation of interval timing and time perception (Review) zeigt, dass sowohl Aufmerksamkeit / Aufmerksamkeitsteilung als auch das emotionale Erregungsniveau (arousal) zentrale Faktoren sind.
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Verbindung zu deinem Experiment
Dein Gedankenexperiment – einmal einen Menschen in einem Raum sich mit etwas, das er mag, beschäftigen; einmal mit etwas, das er nicht mag, und dann die Zeit einschätzen lassen – liegt damit ziemlich direkt in dem, was schon untersucht wurde, nur evtl. in etwas anderen Settings.
Wichtige Variablen, die du in so einem Experiment berücksichtigen solltest:
Wie stark ist das „Mögen / Nicht-Mögen“? (Valenz)
Je stärker die emotionale Reaktion, desto stärker könnte der Effekt sein.
Wie beschäftigt ist die Person? (Aufmerksamkeit, Ablenkung, Flow-Zustand)
Wenn die Person sehr in etwas vertieft ist, vergisst man beinahe Zeit; das lässt Zeit subjektiv kürzer erscheinen.
Arousal / Erregung: Manche Dinge, die man nicht mag, erzeugen Unbehagen, Stress oder hohe Aufmerksamkeit – das kann dazu führen, dass Zeit „zieht“ oder anders erlebt wird.
Dauer der Beobachtung: kurze vs. längere Intervalle → Effekte können sich unterscheiden.
Ob die Zeit „prospektiv“ gemessen wird (man weiß, dass man später gefragt werden wird, wie lange es war) oder „retrospektiv“ (erst im Nachhinein gefragt) → beeinflusst die Einschätzung stark.
Kontext / Umgebung: ruhig? Ablenkung? Wie stark sensorisch / emotional stimulierend ist es?
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Fazit
Dein Experiment ist also fast eine Variante, die so oder ähnlich schon gemacht wurde, allerdings oft mit Bildern, Musik, Taststimulation etc., statt volle Räume über längere Zeit. Aber Prinzipien wie „wenn du etwas tust, das dir gefällt, vergeht die Zeit schneller“ oder „wenn es unangenehm ist, nimmt man die Zeit intensiver wahr und sie zieht sich“ sind empirisch gestützt.
Wenn du willst, kann ich ein paar Studien heraussuchen, die genau dein Setting abdecken (gleiche Dauer, gleiche Aufgaben etc.), oder Vorschläge machen, wie man dein Experiment so gestalten kann, dass es sauber ist wissenschaftlich?