Ich hoffe, du nimmst mir das jetzt nicht übel,
@Kupfer ,aber ich finde, du romantisierst das Ganze ein wenig. Nichts ist und bleibt für ewig. Ich bringe jetzt ein paar Beispiele, und mir ist wichtig zu betonen, dass diese nicht ins Lächerliche gezogen werden sollen, sondern schlicht meine persönlichen Erfahrungen widerspiegeln.
Mein Vater war ein großer Musikfan, und ich habe heute noch rund 5.000 originale Musikkassetten (natürlich massiv übertrieben aber es füllt ein riesengroßes Regal im Keller) zu Hause, also keine selbst aufgenommenen, sondern gekaufte Originale. Wenn ich diese Kassetten heute in einen Kassettenspieler einlege, ist die Qualität ehrlich gesagt schrecklich. Nicht nur durch häufiges Abspielen, sondern ganz klar auch durch Alterung. Natürlich ist es cool, sich heute noch eine Falco Kassette mit Originalunterschrift ansehen zu können, das hat einen ideellen Wert. Aber abspielen kann ich sie nicht mehr, weil die Qualität einfach nicht mehr genießbar ist.
Gehen wir einen Schritt weiter zu VHS. Ich denke, darüber müssen wir eigentlich gar nicht lange sprechen. Jeder weiß, was hier mit der Bildqualität über die Jahre passiert ist, ganz zu schweigen vom Verschleiß durch häufiges Ansehen. Und wie sieht es mit den Videorekordern selbst aus? Bekomme ich heute noch neue? Ja, sehr selten, und wenn, dann meist gebraucht. Eine echte Produktion gibt es schon lange nicht mehr.
Von Schallplatten brauchen wir im Grunde auch nicht mehr viel reden. Klar, sie werden heute noch hergestellt, aber sehr selektiv und längst nicht mehr in der Form, wie ich es erlebt habe, als ich mit meiner Mum oder meinem Dad ganz selbstverständlich in einen Schallplattenladen gegangen bin und die Auswahl riesig war.
Antennen TV, DVB T, DVB T2 und all die weiteren Standards muss ich, glaube ich, auch nicht einzeln aufzählen. Oder ganz banal gefragt: Wie stecke ich heute einen HDMI TV Stick in meinen guten alten Loewe Röhrenfernseher? Und wie sieht es mit meinen alten PC Games aus, die zwingend einen Windows 95 oder 98 Rechner brauchen? Klar, man kann versuchen zu emulieren, aber eben nicht alles. Und ja, einen alten Rechner bekommt man heute vielleicht noch irgendwo, aber wie sieht das in zehn oder fünfzehn Jahren aus? Sind wir uns da wirklich so sicher?
Damit komme ich zu meinem Schluss: Wenn man ehrlich zurückblickt, haben wir bereits sehr viel verloren, von dem wir einmal überzeugt waren, dass wir es besitzen und dass sich dieses Rad niemals aufhören würde zu drehen. Auch der digitale Download wird meiner Meinung nach nicht das Ende der Fahnenstange sein. Streaming wird vermutlich in 20 bis 25 Jahren die Welt dominieren, und dann gibt es womöglich gar nichts mehr, nicht einmal einen Download.
Für mich bedeutet das aber nicht, dass ich das „Gut Gaming“ verliere. Ich muss mich schlicht umgewöhnen und mitgehen. Spiele, die 15 oder 20 Jahre alt sind, greife ich in 99 Prozent der Fälle ohnehin nicht mehr an. Das hat nichts damit zu tun, dass ich diese Spiele heute nicht mehr mag, sondern damit, dass man ihnen das Altern ansieht oder dass das Gameplay aus heutiger Sicht einfach nicht mehr überspringt.
Für Nostalgiker ist das sicher ein Schock und alles andere als lustig. Aber zu sagen, man verliere heute seinen Besitz, lässt sich sehr gut an all den oben genannten Beispielen relativieren. Das ist für mich eher Ausdruck einer persönlichen Enttäuschung als etwas, das man der heutigen Generation vorwerfen kann. Genauso wenig würde ich sagen, dass früher alles richtig war und heute alles falsch ist.