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Die gibt es nicht! Entweder ich akzeptiere die Bedingungen oder wenn sie mir nicht gefallen, dann kaufe ich sie mir nicht. So einfach ist das und überhaupt kein Grund es dann illegal zu laden.
Ich sehe das halt anders. Das Thema ist zu komplex, um es auf ein einfaches Ja oder Nein herunterzubrechen. Mir persönlich geht's in der Debatte vorwiegend auch nicht um Piraterie, sondern um das ganz offensichtliche Ungleichgewicht zwischen Verwertungsgesellschaft einerseits und Spieler andererseits. Aber selbst, wenn wir nur Piraterie betrachten, gibt es Fälle, die m.E. moralisch zu rechtfertigen sind. Mir fallen hier auf Anhieb drei Fälle ein:
- Der Download von Abandonware, also Software, die (aus welchen Gründen auch immer) nicht mehr vertrieben oder verkauft werden, ist m.E. moralisch gesehen völlig unbedenklich, im rechtlichen Sinne aber immer noch Piraterie. Anders als bei aktuellen Spielen entgeht dem Verwerter hier aber kein Umsatz. Es gibt mittlerweile bspw. diverse Spiele, die keinen Rechteinhaber mehr haben, weil diese pleite gegangen sind. Dazu gibt's auch diverse Retro-Spiele, die nicht mehr vertrieben werden. Spiele wie die originale Resident-Evil-Trilogie bekomme ich immer noch auf aktuellen Plattformen. Für diverse andere Spiele gilt das aber nicht. Große Klassiker wie Silent Hill 2 oder Silent Hill 3 sind einfach nicht mehr käuflich erwerblich. Der Rechteinhaber erleidet hier bei Piraterie keinen Schaden. Ganz im Gegenteil: Die IP wird am Leben gehalten, was dazu führen kann, dass Spiele neu aufgelegt werden. Gerade bei JRPGs war es in der Vergangenheit oft der Fall, dass Fan-Translations (im Grunde auch Piraterie) dazu geführt haben, dass es Spiele überhaupt erst auf den US-amerikanischen und europäischen Markt geschafft haben. Witzig an speziell dem Aufhängepunkt des entgangenen Umsatzes: der Weiterverkauf physischer Datenträger ist aus der Sicht der Verwerter auch nicht astrein. Ein Schelm also, der böses dabei denkt, dass Sony physische Datenträger abschaffen will und jeder Verwerter den Weiterverkauf digitaler Lizenzen unterbindet.
- Rechtlich gesehen fällt auch die Umgehung von DRM-Maßnahmen schon in den Bereich der Piraterie. Das beißt sich allerdings sehr stark mit dem Right to Repair, wenn DRM-Maßnahmen für krasse Performance-Einbußen sorgen. Der Wechsel von Denuvo zu Enigma hat in Resident Evil 4 Remake bspw. für Performance-Verlusten von bis zu 40 % gesorgt. Welche Interessen sollten hier schwerer wiegen? Die Interessen des Verwerters nach einem schlechten Kopierschutz oder die Interessen des Spielers, dass er sein gekauftes Spiel auch tatsächlich spielen kann? Man mag mich als Spieler biased nennen, aber: Ich möchte meinen, dass Piraterie völlig in Ordnung ist, wenn sie notwendig dafür ist, sein Right to Repair umzusetzen.
- Dritter und letzter Fall verständlicher Piraterie: Gerade GaaS sind ständig dem Wandel unterworfen. Das kann natürlich bedeuten, dass ein Produkt immer besser wird. Es kann allerdings auch bedeuten, dass Produkte immer schlechter werden. Vor Kurzem hat Steam bspw. einen Battlefield-6-Spieler refunded, obwohl er das Spiel bereits mehr als 400 Stunden gespielt hat. Der Grund? Der Entwickler hat den Spielmodus entfernt, den er hauptsächlich spielt. Gerade im MMORPG-Bereich gibt es dafür private server, um bestimmte Patch-Stände zu erhalten. Mittlerweile haben wir die absurde Situation, dass private server, die eigentlich kein market replacement sind (da sie nur alte Patchstände präservieren), dafür sorgen, dass die Verwerter mit ihnen in Konkurrenz treten - wie das im Falle von World of Warcraft Classic der Fall ist. Private server sind im Grunde auch Piraterie, haben aber eine wichtige Funktion im Markt, weil sie Entwicklern zeigen, welche Spielbestandteile Spieler aus welchem Patchstand schätzen.
Wie bereits gesagt, geht es mir in erster Linie nicht um Piraterie direkt, sondern um das Ungleichgewicht zwischen Verwerter einerseits und Spieler andererseits. Wenn aber selbst schon Piraterie schon ein komplexes Thema ist - und Piraterie gerade im Falle von wirtschaftlich aufstrebenden Nation dafür sorgen kann, dass sich ein Markt langfristig vergrößert -, dann kann man Piraterie selbst schon nicht in einem Schwarz/Weiß-Schema betrachten.
Grundsätzlich würde ich mir aber wünschen, dass das Immaterialgüterrecht im Entertainment-Bereich deutlich mehr an das Güterrecht in anderen Bereichen angepasst wird. Gerade im Gaming-Bereich diktieren die Verwerter die Bedingungen unfair zulasten der Spieler, weil die Lobby so stark ist, dass Spielerinteressen in Gesetzgebungsverfahren keine Berücksichtigung finden. Steam sorgt hier als vorbildlicher Händler noch selbst dafür, dass die Interessen halbwegs ausgeglichen sind - bspw. mit einer vergleichsweise großzügigen refund policy oder der Erzwingung von Transparenz - und wird genau aus diesem Grund erbittert von anderern Marktplattformen und Publishern angegriffen. So etwas sollte allerdings nicht im Gutdünken einer einzigen Plattform liegen, die sich - gerade, wenn Gabe einmal in den Ruhestand gehen sollte - auch schnell ändern kann. Nein: Auch auf anderen Plattformen sollten Spieler bspw. das Recht haben, refunds zu verlangen.
Der Gesetzgeber sollte m.E. bspw. dafür sorgen,
Grundsätzlich würde ich mir aber wünschen, dass das Immaterialgüterrecht im Entertainment-Bereich deutlich mehr an das Güterrecht in anderen Bereichen angepasst wird. Gerade im Gaming-Bereich diktieren die Verwerter die Bedingungen unfair zulasten der Spieler, weil die Lobby so stark ist, dass Spielerinteressen in Gesetzgebungsverfahren keine Berücksichtigung finden. Steam sorgt hier als vorbildlicher Händler noch selbst dafür, dass die Interessen halbwegs ausgeglichen sind - bspw. mit einer vergleichsweise großzügigen refund policy oder der Erzwingung von Transparenz - und wird genau aus diesem Grund erbittert von anderern Marktplattformen und Publishern angegriffen. So etwas sollte allerdings nicht im Gutdünken einer einzigen Plattform liegen, die sich - gerade, wenn Gabe einmal in den Ruhestand gehen sollte - auch schnell ändern kann. Nein: Auch auf anderen Plattformen sollten Spieler bspw. das Recht haben, refunds zu verlangen.
Der Gesetzgeber sollte m.E. bspw. dafür sorgen,
- dass ein "Right to Refund" klar definiert ist (gerade im Fall von false advertisement),
- dass tatsächliche Monopole aufgebrochen werden und (Quasi-) Monopole ihre Monopolstellung nicht missbrauchen,
- dass eine Plattform dazu verpflichtet ist, deinen Account (also deine Spiele-Bibliothek) wieder herzustellen, wenn dieser bspw. aufgrund zu rigider Plattformvorgaben gelöscht worden ist oder zumindest Schadensersatz zahlen muss,
- dass Plattforminhabern gerade bei unendlich oft replizierbaren Artikeln wie Spielen bspw. dynamic pricing verboten wird,
- dass Lizenzen weiterverkaufbar sind (Man mag die Vergangenheit von NFTs belächeln, aber gerade im Zusammenhang mit Lizenzen sind NFTs der beste Anwendungsbereich.), oder
- dass Plattforminhaber/Verwerter dich nicht einfach ersatzlos enteignen dürfen.
Mit Ausnahme der Behandlung von Monopolen ist all das Vorgenannte im analogen Bereich völlig selbstverständlich. Im digitalen Bereich wäre das ebenfalls möglich. Gerade im Gaming-Bereich wurde die Spielerschaft aber schon so stark weichgekocht, dass sie fast schon das Verhalten zeigt, das für Entführungs-Opfer üblich ist, die am Stockholm-Syndrom leiden.