Messbar sind folgende Dinge,
@AzRaeL:
Frequenzgang: Man misst, welchen Schalldruck der Kopfhörer bei verschiedenen Frequenzen erzeugt, typischerweise von etwa 20 Hz bis 20 kHz. Idealerweise wäre die Kurve möglichst gleichmäßig. In der Praxis ist das aber komplizierter, weil ein Kopfhörer nicht einfach „linear“ klingen muss, um gut zu klingen. Das menschliche Ohr hört verschiedene Frequenzen unterschiedlich empfindlich. Deshalb vergleicht man häufig mit einer sogenannten Zielkurve.
Verzerrungen: Man gibt beispielsweise einen sauberen 100-Hz-Ton hinein und schaut, was aus dem Kopfhörer herauskommt. Wenn der Kopfhörer ausschließlich 100 Hz erzeugt, perfekt. Wenn zusätzlich beispielsweise 80 Hz, 120 Hz etc. entstehen, sind das harmonische Verzerrungen. Das wird als THD (Total Harmonic Distortion) angegeben.
Impulsantwort: Man kann auch untersuchen, wie schnell der Kopfhörer auf eine Änderung des Signals reagiert. Zum Beispiel Stille > Impuls > Stille. Man schaut dann, wie der Kopfhörer darauf reagiert.
Kanalgleichheit dürfte selbsterklärend sein, oder? Man misst halt den linken und rechten Treiber getrennt. Idealerweise sind sie praktisch identisch laut.
Räumliche Eigenschaften: Das ist wesentlich schwieriger. Man kann beispielsweise messen: Position der Phantomschallquelle, Interaurale Pegeldifferenzen, Interaurale Laufzeitunterschiede, Verhalten bei verschiedenen Frequenzen, Übersprechen oder Abstrahl-/Resonanzeffekte der Ohrmuscheln. Aber „Bühne“ und „Räumlichkeit“ lassen sich nicht mit einer einzigen objektiven Zahl messen. Das liegt daran, dass der Kopfhörer zusammen mit Kopf, Ohrmuschel und Gehörgang ein akustisches System bildet. Deshalb sind Messungen mit einem Kunstkopf bzw. einer HATS-Messanlage (Head And Torso Simulator) wichtig, was aber eben auch nicht pauschalisierbar ist. (*)
Empfindlichkeit und Wirkungsgrad: Man misst, wie laut der Kopfhörer bei einer bestimmten elektrischen Leistung bzw. Spannung wird. Zum Beispiel: 104dB SPL bei 1mW oder 110dB SPL bei 1V Das sagt dir, wie leicht der Kopfhörer anzutreiben ist. Impedanz sagt aber überhaupt nicht, wie „hochwertig“ ein Kopfhörer ist.
Verhalten bei verschiedenen Pegeln: Man misst den Kopfhörer beispielsweise bei 80 dB und schaut, ob sich Frequenzgang und Verzerrungen verändern. Ein wirklich guter Treiber bleibt auch bei höheren Pegeln kontrolliert. Ein schlechterer Treiber kann beispielsweise im Bass plötzlich massiv mehr Verzerrungen produzieren.
Der Haken bei dem Ganzen ist und bleibt aber: „Technisch besser“ bedeutet nicht automatisch „gefällt mir besser“. Ein Kopfhörer kann beispielsweise messtechnisch extrem sauber sein, aber jemand bevorzugt trotzdem einen anderen mit +5 dB Bass. Deshalb sollte man eigentlich zwei Dinge auseinanderhalten, zum einen die Objektive technische Qualität, sprich, wie präzise und sauber kann der Kopfhörer ein elektrisches Signal in Schall umwandeln und zum anderen die subjektive Klangqualität, sprich, wie gut gefällt mir das, was dabei herauskommt? Und diese beiden Dinge korrelieren durchaus – aber nicht zu 100 %.
(*) Wenn du zwei Kopfhörer vergleichst, kannst du nicht einfach irgendein Mikrofon vor die Treiber halten, denn ein menschliches Ohr ist kein flaches Mikrofon. Die Ohrmuschel verändert den Schall bereits, bevor er das Trommelfell erreicht, deshalb verwendet man Messsysteme wie einen GRAS-Kunstkopf mit künstlichem Ohr oder vergleichbare Systeme.

