Im Systemischen "zeigt" man keine Perspektiven oder Wege. Man glaubt, dass der Mensch selber in sich schon alles nötige trägt, um eine Lösung und einen Weg für sich selber zu finden und ihn auch zu gehen. Veränderungsprozesse von innen sind die nachhaltigsten und die möchte man gerne anstoßen als systemischer Therapeut.
Reframing bedeutet auch Umdeutung der Lebenssituation, der Diagnose, der Symptome und so weiter. Es geht dabei darum, Menschen zu ermutigen, die Dinge in ihrem Leben anders zu betrachten. Positiver und konstruktiver zu betrachten. Das ist manchmal und je nach Depression tatsächlich ein sehr langwieriger Weg, da die Synapsen im Hirn ja quasi daran "gewöhnt" sind, auf eine bestimmte leidvolle Art zu denken. Damit sind auch oft sehr tiefliegende Glaubenssätze verbunden, wie "Ich bin nicht gut (genug), ich bin nichts wert, ich bin dumm, hässlich" etc.
Ich kenne das aus meiner Arbeit mit Menschen mit Depressionen nur zu gut, wenn ich frage "Was funktioniert oder läuft denn gut in Ihrem Leben?" und der Klient dann sagt "Also das läuft gut, aber das ist schlecht und das ist schlecht und das ist auch echt nervig..." Daran merke ich zbsp, dass das negativ und destruktive Denken mental schon so tief verankert ist, dass selbst eine Frage nach dem Positiven im Leben mit lauter Negativität gefüllt wird, was diese Person dann zu eher destruktiven, schweren Emotionen führt. Das ist dann leider so ein Teufelskreis. In meiner Arbeit ist es dann das Ziel wirklich manchmal auch kleinschrittig vorzugehen und auch zu respektieren, dass dieser Mensch jetzt halt nicht plötzlich zum Sonnenschein wird, nachdem ich ihn lediglich nach schönen Dingen in seinem Leben befragt habe. Oft steht erstmal das starke Bedürfnis sehr viel Leid zu berichten im Vordergrund, bis die Aufmerksamkeit auf andere Dinge im Leben gelenkt werden können. Ich mag hierbei die Metapher vom vollen Glas, wo nichts anderes hereinpasst, und deshalb erstmal das Glas ausgeleert werden muss, damit neues, klares, erfrischendes Wasser eingeschenkt werden kann^^
Das ist auch vollkommen legitim, denn oft haben diese Menschen auch sehr viel Leid erfahren und ihre Trauer, Wut, Angst, Niedergeschlagenheit ist mehr als berechtigt. Ich versuche dann langsam anzustoßen, dass es bestimmt auch etwas Gutes gibt, auch wenn es nur ein kleiner Samen Gutes ist. Wenn der gefunden wurde, dann versuche ich darauf, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu legen, bis aus dem Samen, eine Pflanze wird, und daraus ein Bäumchen und irgendwann hoffentlich ein stabiler, großer Baum mit Früchten, sodass aus der Problemtrance hoffentlich eine Denke etabliert ist, die das Gute und die Freude im Leben sieht, sucht und findet.
Ist natürlich hier von mir sehr idealtypisch beschrieben. Dieser Weg ist in der Realität oft auch anstrengend und mit Rückschlägen verbunden, aber ich bin überzeugt, dass vielen Menschen mit solchen Gesprächen und so einer Haltung geholfen werden kann, wenn sie wirklich bereit sind daran zu arbeiten, denn die größte Arbeit in einer Therapie obliegt tatsächlich den Klienten selber.
Im Systemischen spricht man von Systeme durch Fragestellungen irritieren, sodass das System sich neu organisieren kann. Quasi eine Horizonterweiterung.