Seit wann ist ein Hobby Geschlechter-spezifisch?
Schon seit immer? Du brauchst nur in ein Modgeschäft oder einen Kosmetikladen gehen, um zu sehen, dass Mode und Kosmetik ganz überwältigend ein Frauen-Hobby sind. Das heißt nicht, dass Männer Mode und Kosmetik nicht auch schätzen können; sie sind nur deutlich, deutlich schwächer daran interessiert und daher auch deutlich, deutlich schwächer darin vertreten.
In was für Blasen soll denn dieser Großteil der Frauen unterwegs sein, dass sie es kritisch sehen, wenn sie in einem Männer dominierten Thema "repräsentiert" werden, bzw systematische Strukturen dadurch aufgebrochen werden?
Mental gesunde Frauen haben nichts gegen weibliche Hauptcharaktere. Allerdings sehen auch diesen Frauen den ideologischen Hintergrund, der hinter dem Wechsel steht. Diese Frauen sehen die unnatürliche Intensität, mit der Männer durch Frauen ersetzt werden; sie sehen die unterschiedlichen Standards, nach denen männliche und weibliche Charaktere visuell gestaltet werden und sie sehen, wie männliche und weibliche Charaktere mittlerweile insgesamt dargestellt werden. Das im Übrigen ein Problem, das ausschließlich westliche und vor Allem US-amerikanische Entwicklungsstudios betrifft. Der überwältigende Teil östlicher Entwickler hat das Problem nicht. In "östlichen" Spielen findest du immer noch männliche Charaktere, die "positive masculinity" darstellen; in östlichen Spielen findest du immer wieder weibliche Charaktere, die auf ihren eigenen Beinen stehen können, ohne aus einer gut etablierten "männlichen" IP zu stammen; in östlichen Spielen findest du immer noch weibliche Charaktere, von denen zuhauf Fanart und Cosplays angefertigt werden und in östlichen Spielen hast du generell einen deutlich geringeren ideologischen Einfluss - egal, wie subtil er auch sein mag.
Das hat auch nichts mit irgendwelchen "Blasen" zu tun. Selbst "Normies" können Muster erkennen. Es gibt Gründe, warum sich sämtliche Nachfolger der letzten großen Sony-Titel erheblich schlechter verkauft haben als ihre Vorgänger. Selbst Normies erkennen Muster wie Millennial Slop Writing (siehe bspw. Rue und Phranque aus dem kommenden Mom of Boii: Laundry) oder "DEI-Purple". Selbst Normies sind die Message "(White) Men bad" satt. Ich will hier keine ideologische oder gar politische Debatte starten, aber man muss nach Betrachtung sämtlicher Umstände einfach sehen, dass die "westcoast ideology" doch nicht so massentauglich ist, wie sich bestimmte Leute gedacht haben.
Auch wenn die "ersetzt" werden, kommen/kamen dieses Jahr 3 Spiele mit Männlichen Charakteren. God of War: Sons of Sparta, SAROS und Wolverine.
SAROS widerspricht auch deinem letzten Satz. Ich glaub, da wird sich oberflächlich in was reingesteigert, was gar nicht so wild ist.
GoW: Sons of Sparta ist ein nischiger 2D-Titel, der aus Qualitäts- und Preisgründen gefloppt ist. In Saros (ebenfalls ein katastrophaler Flop) ist der spielbare Hauptcharakter
der Villain, der am Ende von einer Lesbe gecucked wird und über die Story von Wolverine wissen wir noch nichts. Ich will gar nicht bestreiten, dass das Pendel mittlerweile zu stark in die Gegenrichtung geschwungen ist (was nur ein Beweis dafür ist, mit welcher Intensität Corpos die "westcoast ideology" brechstangenmäßig durchsetzen wollten) und auch Spiele trifft, deren Intention nicht der "westcoast ideology" entspricht (als Beispiel fällt mir hier bspw. Silent Hill f ein). Aus dem Grund bin ich bei Wolverine auch vorsichtig optimistisch. Allerdings kann ich auch Leute verstehen, die es kritisch sehen, dass es keine "X-Men" mehr gibt, sondern nur noch das geschlechterneutrale "Team X", oder dass Jean Grey als Superheldin wie eine Hag aussieht und bei dem Charakterdesign auch ein NPC sein könnte.
Also gerade bei Last of Us und Witcher ist der Wechsel der Protagonisten logisch und nachvollziehbar, aber auch beim Rest versteh ich das Drama nicht, alles, was ein Universum bereichert, sollte doch begrüßenswert sein?! Ein echtes, schlecht gemachtes Antibeispiel dahingehend ist für mich Star Wars 7-9.
Das Problem bei Last of Us und Witcher ist die Art und Weise des Wechsels. Über Last of Us müssen wir vermutlich nicht mehr sprechen. Das Thema dürfte schon auserzählt sein. Bei Witcher - bei das Pendel, wie zuvor schon beschrieben, zu stark in die Gegenrichtung schwingt - gibt es zwei Probleme:
- Einerseits gibt die Lore es nicht her, dass Ciri Witcher wird. Frauen können im Witcher-Universum einfach keine Witcher werden. Das ist einfach so. Ich habe kein Problem mit einem Witcher-Spiel mit Ciri in der Hauptrolle. Allerdings heißt Ciri als Witcher auch nur "same old, same old" nur in einem weiblichen Charaktermodell. Den Charakterwechsel hätte man sich daher auch sparen können. Ich hätte es viel cooler gefunden, wenn Ciri durch ihr Training unter Geralt und ihrer eigenen Magie eine Art Magic Swordwoman geworden wäre. Das wäre lorefreundlich und hätte einem neuen Witcher-Spiel auch gameplaymäßig einen neuen Twist gegeben.
- Andererseits ist Geralt ein etablierter Charakter. Jeder mag Geralt und auch wenn Spieler verstehen, dass Geralt in den Ruhestand gegangen ist, wollen sie mehr Geralt haben. Das ist im Kontext parasozialer Beziehungen zu Spielecharakteren nur verständlich.
Daneben gibt's natürlich auch Beispiele, in denen ein Wechsel tatsächlich berechtigt fragwürdig ist - wie bspw. Uncharted.